Wandernde Fische und Neunaugen im Rhein 

20 April 2021 |
GBRA

Im EU Interreg Projekt Grün Blaue Rhein Allianz (GBRA www.gbra.eu) lag der Fokus auf terrestrische und aquatische wandernde Tierarten. Hier sind neben dem Fischotters die Fischwanderungen von typischen Rheinfischen wie z. B. Nase und Barbe sowie Langdistanzwanderfischen wie Maifisch, Fluss- und Meerneunaugen auch der Wiederansiedlung des Atlantischen Störs Schwerpunkte im Projekt gewesen. Vorläufige Ergebnisse der bisher durchgeführten Untersuchungen im Niederrhein wurden am 04. März 2021 in einem Online-Workshop vorgestellt. Der Fokus lag auf dem Vergleich der unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkte und Monitoring Programme auf niederländischer und deutscher Seite am Niederrhein. Hierfür wurden auch die Wanderbewegungen der Fische vom Rhein in die Aue- bzw. Nebengewässer untersucht und vorgestellt. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei den verwendeten Monitoring Methoden sowie der Vergleich vorhandener Daten bei allen Projektpartnern war ein wesentlicher Erkenntnisgewinn aus den gemeinsamen Projekten. Die Auswirkungen von Schiffschrauben und Gewässerunterhaltungsmaßnahmen auf wandernde Fischarten zu untersuchen und zu klassifizieren sowie auf deren Laich- und Ruhehabitate zu betrachten war ein weiterer Schwerpunkt einzelner Projektpartner. Die niederländischen Partner SVN und ARK haben sich sehr intensiv mit den potentiell geeigneten Habitaten zur Wiederansiedlung des Atlantischen Störs im Niederrhein beschäftigt und erste Wiederansiedlungen einzelner Störe initiiert.

Der Rhein ist eine der Hauptwanderrouten für diadromen Fischarten wie dem Lachs, Aal und Maifisch. Diese Arten müssen einen Wechsel zwischen Süßwasser und Meereslebensräumen in ihrem Lebenszyklus durchführen. Daneben wandern auch die meisten potamodromen Rheinfischarten umfangreich zwischen dem Hauptstrom und den Neben- bzw. Auegewässern im Laufe ihres Lebenszyklus. Die Wanderungen beschränken sich hier jedoch auf Süßwasser Abschnitte. In beiden Gruppen befinden sich eine Vielzahl von geschützten oder gefährdeten Arten.

Vergleich von Monitoring Methoden (NL-D)

Die verwendeten Standard Fischerei Monitoring-Methoden wurde auf niederländischer und deutscher Seite im Rahmen gemeinsamer Projekte für unterschiedliche Zielarten durchgeführt. Ein Bsp. hierfür ist das Monitoring der Rheinfische mit Hilfe eines Aalschokkers. Hierbei handelt es sich um eine sehr spezielle berufsfischereiliche Fangmethodik bei der Reusen im Rheinstrom über Ausleger eines Schiffes direkt in der fließenden Welle positioniert werden.

Aufgrund aktueller Entwicklungen zu den im Rhein transportierten Plastikmengen im Freiwasser, hat das niederländische Ministerium für Infrastruktur und Umwelt (Rijkswaterstaat) den Anteil von Makro- und Mesoplastik (gröbere Plastikanteile) in Zusammenarbeit mit weiteren Projektpartnern und mit Hilfe der Aalschokker auf deutscher und niederländischer Seite des Grenzgebietes am Niederrhein untersucht.

aal vissen
fishing for plastic

Migration zwischen Haupt- und Nebengewässern - Auehabitate

Die bisher vorgestellten Ergebnisse zur Fischmigration zeigen, dass neben des Rheinstromes auch die Auegewässer eine herausragende Bedeutung für viele auetypische Fischarten besitzen. Die Durchgängigkeit und Anbindung zu diesen Auegewässern sowie ggf. die Beseitigung von bestehenden Querbauwerken ist daher zu gewährleisten.

Migrationshindernisse – Schiffsschrauben und Turbinen verletzten Fische auf ihren Wanderungen

Regelmäßig werden größere Ansammlungen toter Fische v.a. Aale in den Herbst- und Wintermonaten an die Rheinufer angeschwemmt. Diese weisen oft schwere Verletzungen auf, die z. B. durch Triebwerke oder Schiffsschrauben hervorgerufen werden. Dies scheint v.a. während der Aalabwanderungen zurück ins Meer bzw. in die Laichgebiete der Sargassosee zu erfolgen. Eine Unterscheidung der Herkunft der Verletzungen nach Triebwerken oder Schiffsschrauben ist häufig nicht eindeutig möglich, ein hohes Verletzungsrisiko durch Schiffsschrauben wird jedoch angenommen.

wounded fish

Die Wiederansiedlung des Atlantischen Störs im Rhein

Zusätzlich wurden umfangreiche Untersuchungen zu potenziellen Laichgebieten und Habitaten des Atlantischen Störs durch die niederländischen Projektpartner SVN, ARK angestellt. Aktuell gilt der Stör im Rhein zwar als ausgestorben. Die im Projekt durchgeführten Untersuchungen zu verfügbaren Habitatflächen auch in Bezug zu den Klimaprognosen und -folgen für die vorhandenen Habitate und Laichgebiete weisen ihn aber als geeignetes Gewässer mit ausreichend vorhandenen Laich- und Aufwuchshabitaten für den Stör aus. Diese vielversprechenden Ergebnisse fließen in die zukünftigen Ideen und Umsetzungen zur Wiederansiedlung des Störs im Rhein mit ein.

historic sturgeon picture
Die Störe in der Vergangenheit