Junge Lachse, laichende Flussneunaugen und erwachsene Maifische im Rhein

20 Mai 2021 |
GBRA

--siehe auch Video unten (in niederländischer Sprache)--

Auf dem Niederrhein und der Waal wurden im April Forschungen zu stromabwärts migrierenden Wanderfischen durchgeführt. Die Untersuchungen fanden im Rahmen der Grün Blauen Rhein Allianz und mit Hilfe eines mit Reusen ausgestatteten Aalschokkers statt. Unterschiedliche seltene Fischarten gerieten dabei ins Netz. Auf dem Niederrhein in Deutschland führte der Rheinische Fischereiverband die Untersuchungen durch, Sportvisserij Nederland tat das Gleiche auf der Waal auf Höhe der Stadt Tiel. Zusammengearbeitet wurde dabei mit der Bezirksregierung Düsseldorf, Berufsfischer Rudi Hell, Rijkswaterstaat, Visserijbedrijf Bout und der Radboud Universität.

 

Vissen met de ankerkuil vanaf een aalschokker
Das Fischen mit Reusen vom Aalschokker aus

Der Rhein und die Waal – als wichtigster Nebenfluss des Rheins – sind dynamische Flüsse. Bis zur Staustufe bei Iffezheim ist der Rhein für Fische auf ihrer Wanderung stromaufwärts über die Waal frei passierbar und dadurch eine wichtige Route für Wanderfische wie Aal, Forelle und Lachs. Fischbestanderhebungen in Rhein und Waal ergeben daher fast immer besondere Fänge. Bei den Probenentnahmen, mit denen 2018 begonnen wurde, konnten insgesamt 35 Fischarten nachgewiesen werden. Von allen Wanderfischarten im Rhein fehlte nur der Stör. Der Untersuchungszeitraum im April ist auch die Zeit, in der junge Lachse und Atlantische Forellen vom Oberlauf des Rheins ins Meer wandern und erwachsene Flussneunaugen zum Laichen vom Meer den Fluss hinauf ziehen.

Jeden Tag Lachs

Was sich die Forscher erhofften, trat ein: An jedem der neun Tage, an denen gefischt wurde, gingen ihnen junge Lachse und Atlantische Forellen (Meerforellen) ins Netz. In Deutschland fingen wir insgesamt 16 und in den Niederlanden 17 Lachse und zusammengenommen 17 Forellen. Bei den Lachsen handelte es sich um vermutlich ein Jahr alte Jungtiere mit einer Länge von 12 bis 21 cm. Die Forellen hatten eine Länge von 13 bis 30 cm. Die Fische wurden an allen Stellen, an denen gefischt wurde, gefangen: in Innen- und Außenkurven, im Hauptstrom und in den Niederlanden in der Uferrinne hinter einem Längsdamm.

Zalm
Es wurden viele juvenile Lachse angetroffen  

Möglicherweise laichende Flussneunaugen  

Die Forschungen konzentrieren sich auf Wanderfische. Die häufigste Wanderfischart dieser Probenentnahmen war das Flussneunauge. Insgesamt wurden von dieser Art 42 adulte Exemplare mit einer Länge von 18 bis 36 cm und 15 juvenile gefangen. Einige der in den Niederlanden gefangenen adulten Neunaugen zeigten Anzeichen von Laichaktivität, eine außergewöhnliche Entdeckung, da Flussneunaugen noch nie beim Laichen in der Waal beobachtet wurden. Wohl wurden im letzten Jahr von der Radboud Universität 1,5 cm große Flussneunaugenlarven in der Uferrinne bei Dreumel gefunden, was bereits ein starkes Indiz für das Laichen ist.

Rivierprik
Regelmäßig wurden adulte Flussneunaugen gefunden

Neue exotische Fischart

Im vergangenen Jahr wurde erstmalig in den Niederlanden - im südholländischen Delta und in der Waal bei Gameren - der Fang von Kaukasus-Grundeln gemeldet. Beim Fischen mit dem Aalschokker im April wurden vier Exemplare dieses kleinen Fischchens, das nicht größer als 5 cm wird, gefangen, darunter ein hochträchtiges Weibchen mit seinem charakteristischen gelben Bauch.

Kaukasische dwerggrondel
Besondere Art: Kaukasus-Grundel

Bedrohungen

Eine bekannte Wanderfischart ist der Aal. Erwachsene laichbereite Aale werden Blankaale genannt und schwimmen normalerweise im Herbst den Fluss hinunter, auf dem Weg zu ihren Laichgebieten in der Saragossasee. Aus verschiedenen Gründen geht es diesem Fisch seit mehreren Jahren nicht gut. Eine der Ursachen für die problematische Situation des Aals ist die hohe Sterblichkeitsrate durch den Kontakt mit Schaufeln von Wasserkraftwerken, Pumpstationen oder Schiffsschrauben. Jedes Jahr werden im Herbst und Winter viele tote Aale an den Flussufern angeschwemmt. Während des Monitorings vom Aalschokker aus wurden in den Niederlanden 17 Aale gefangen, von denen fünf schwer verwundet oder tot waren – ein beunruhigend hoher Anteil. Auch in Deutschland wurden mehrere Aale mit schweren Verletzungen gefangen. 

 
Analyse des Plastikfangs

Bei jeder Monitoringsrunde wurde außerdem eine große Menge Plastik aufgefischt, oft sogar mehr als Fisch. Der gesamte Plastikfang wurde von der Radboud Universität gesammelt und analysiert. Eine erste Analyse zeigt, dass schätzungsweise 380 Millionen Plastikteile pro Jahr mit dem Rheinwasser ins Meer gespült werden. Besorgniserregend ist, dass fast das gesamte Plastik in kleine Stücke zerfällt. Je kleiner das Plastik, desto wahrscheinlicher ist es, dass es von Organismen im Wasser gefressen wird und so in die Nahrungskette gelangt. Dies kann sich unter anderem auf die Fischpopulation auswirken.

 

Vissen met de ankerkuil vanaf een aalschokker