Genügend Nahrung für den Stör im Rhein

9 März 2021 |
GBRA

Mitte des letzten Jahrhunderts verschwand der Europäische Stör aus dem Rhein. Nachdem sich die Qualität des Rheins inzwischen deutlich verbessert hat, wird nun an der Rückkehr dieses besonderen, urtümlichen Fisches gearbeitet. ARK Natuurontwikkeling und Sportvisserij Nederland veranlassten Untersuchungen zum Nahrungsangebot für Jungstöre im Rhein und eine Machbarkeitsstudie zeigt nun positive Ergebnisse. 

Der Stör ist zurück

Vor Kurzem wurde der First Action Plan for the European Sturgeon for the Lower Rhine veröffentlicht. Dieser Aktionsplan enthält eine Übersicht der Potenziale und Bedrohungen und skizziert den Weg zur Wiederansiedlung des Störs im Rhein bis zum Jahr 2030. Zahlreiche Studien bestätigen, dass nahezu alle Anzeichen für die Rückkehr einer sich selbst erhaltenden Population im Rhein vielversprechend sind. Einige Hindernisse gibt es jedoch noch zu überwinden und ein paar wichtige Fragen sind noch nicht beantwortet. So fehlten bis vor Kurzem detaillierte Informationen zur Nahrungsverfügbarkeit für junge (juvenile) Störe im Rhein.  

Europese steur. Foto: Peter van Rodijnen
Stör. Foto: Peter van Rodijnen

Studie zur Nahrungsverfügbarkeit

Um festzustellen, ob es im Rhein ausreichend geeignete Nahrungsorganismen für Störe gibt, führte das Beratungsbüro ATKB im Auftrag von ARK und Sportvisserij Nederland eine Studie durch, unter anderem unterstützt von der Grün Blauen Rhein Allianz. Zu diesem Zweck wurde neben einer großen Anzahl wissenschaftlicher Artikel auch eine vom niederländischen Ministerium für Infrastruktur und Umwelt (Rijkswaterstaat) zur Verfügung gestellte Database mit Informationen zum Vorkommen der Makrofauna in den niederländischen Rheinarmen genutzt.  

Anhand von Literaturdaten wurde zuerst eine Liste der Nahrungsorganismen erstellt, von denen bekannt ist, dass sie von Jungstören gefressen werden. Soweit bekannt, wurde angegeben, ob es sich dabei um bevorzugte Nahrung handelt oder um Organismen, die weniger gerne gefressen werden. Diese Liste wurde anschließend mit den Arten in der Datenbank von Rijkswaterstaat verglichen. Das Ergebnis ist eine Übersicht der von Jungstören gefressenen Nahrung, die auch tatsächlich im (potenziellen) Lebensraum des Störs in den Niederlanden vorhanden ist. Diese Ergebnisse wurden mit der Nahrungsverfügbarkeit in optimalen Flusssystemen wie dem Flusssystem der Gironde, Garonne und Dordogne in Südfrankreich verglichen. 

Abwechslungsreiche Ernährung

Europäische Jungstöre ernähren sich von einer Vielzahl von Nahrungstierchen aus unterschiedlichen taxonomischen Gruppen wie Polychaeta (Vielborster), Oligochaeta (Wenigborster), Decapoda (Garnelen, Krabben), Isopoda (Wasserasseln), Amphipoda (Flohkrebsen), Mysida (Schwebegarnelen), Copepoda (Ruderfußkrebsen), Chironomidae (Mückenlarven) und Nematoden (Fadenwürmern). Im Allgemeinen besteht die bevorzugte Nahrung der Europäischen Jungstöre aus kleineren Weichorganismen, die sich im weichen Flussboden oder in dessen Nähe aufhalten. Trotz dieser Vorliebe scheinen Jungstöre sehr flexibel zu sein, was die spezifischen Arten betrifft, von denen sie sich ernähren. Bei Bedarf passen sie sich an das Nahrungsangebot vor Ort an. Darüber hinaus gibt es auch Hinweise darauf, dass sie aktiv Gebiete mit einem höheren Vorkommen ihrer bevorzugten Beutetierarten aufsuchen.
 

Voedselpakket van jonge steuren. Bron: voedselstudie Europese steur
Nahrungsspektrum von Jungstören.
Quelle: Ernährungsstudie Europäischer Stör und Fotos: Hans Hillewaert und Michal Maňas (Wikimedia Commons)

An der Nahrung kann es nicht liegen…  

Alle bekannten, für Europäische Jungstöre im ersten Lebensjahr wichtigen Nahrungsorganismen, scheinen sowohl in den Rheinarmen als auch im Mündungsgebiet vorzukommen. Insgesamt konnten im Untersuchungsgebiet mehr als 400 verschiedene Familien und Arten von Nahrungsorganismen identifiziert werden. Die Diversität ist in den Rheinarmen etwas höher als im Mündungsgebiet (wo der Unterlauf von Rhein und Maas ins Meer münden). Die am häufigsten in den Rheinarmen und Unterläufen des Rheins gefundenen Gruppen sind Chironomidae (Mückenlarven), Amphipoda (Flohkrebse), Oligochaeta (Wenigborster), Bivalvia (zweiklappige Muscheln/Weichtiere), Gastropoda (Schnecken) und Polychaeta (Vielborster). Von diesen Organismen werden wahrscheinlich nur Schnecken und zweiklappige Muscheln nicht von Jungstören gefressen.

Verspreidingskaarten

Verbreitungskarte Nieuwe Merwede, Biesbosch und Hollands Diep mit der Verbreitung und Anzahl von Oligochaeta oder Borstenwürmern (oben) und Isopoda oder Asseln (unten). Dies ist die Lieblingsspeise junger Störe. Die Stellen, an denen diese Nahrung reichlich vorhanden ist, sind für Jungstöre auch zur Nahrungssuche interessant. Quelle: Ernährungsstudie Europäischer Stör

Hohe Dichten

Die Dichten der Nahrungsorganismen in den Rheinarmen und im Mündungsgebiet zeichnen sich durch eine große zeitliche und räumliche Variation aus. Im Allgemeinen sind die Dichten in den flachen Zonen höher als in den tiefen Zonen, und im Mündungsgebiet wiederum höher als in den weiter flussaufwärts gelegenen Rheinarmen. An bestimmten Stellen (Hotspots) werden manchmal große Dichten von mehreren zehntausend Nahrungsorganismen pro Quadratmeter gefunden, vergleichbar mit den Anzahlen in den von den Stören bevorzugten Zonen in der Gironde in Frankreich. Aufgrund dieser Untersuchungsergebnisse kann davon ausgegangen werden, dass im Rhein ausreichend für Störe geeignete Nahrungsorganismen vorhanden sind.

Zum vollständigen Forschungsbericht (in niederländischer Sprache).